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In der Oberpfalz wächst derzeit ein Windkraftprojekt der Superlative heran: Nahe des Firmensitzes der Max Bögl Wind AG in Sengenthal entsteht die nach Unternehmensangaben höchste serienmäßig gebaute Onshore-Windenergieanlage der Welt. Mit einer Nabenhöhe von 199 Metern und einer Gesamthöhe von 285 Metern setzt die neue Anlage neue Maßstäbe im Windenergieanlagenbau.

Ein wichtiger Bauabschnitt wurde bereits erfolgreich abgeschlossen: Die Fundamentarbeiten am Standort Winnberg sind beendet. Nun folgt der Aufbau der eigentlichen Anlage, die im Herbst 2026 ans Netz gehen soll.

Windkraft in neuen Höhen

Zum Einsatz kommt eine Windenergieanlage des Typs Vestas EnVentus V172 mit einer installierten Leistung von 7,2 Megawatt. Besonders bemerkenswert ist der Hybridturm, der von Max Bögl gemeinsam mit dem Turbinenhersteller entwickelt wurde. Dieser kombiniert Beton- und Stahlbauweise und ermöglicht damit außergewöhnliche Höhen, die bislang im Serienbau kaum erreichbar waren.

Die Rekordmarke bezieht sich auf die sogenannte Nabenhöhe – also die Höhe des Turms bis zur Rotorachse. Mit 199 Metern erreicht die Anlage laut Max Bögl weltweit die größte Höhe, die bislang bei einer serienmäßig gefertigten Windenergieanlage an Land realisiert wird.

Für Verbraucher mag diese Zahl zunächst abstrakt wirken – tatsächlich bringt die größere Höhe jedoch einen klaren Vorteil mit sich: Je höher die Rotoren liegen, desto stärker und gleichmäßiger weht meist der Wind. Dadurch kann die Anlage mehr Strom erzeugen und wirtschaftlicher arbeiten, insbesondere an Standorten im Binnenland.

Strom für rund 5.000 Haushalte

Die neue Windenergieanlage soll jährlich zwischen 17 und 18 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Das entspricht rechnerisch dem durchschnittlichen Jahresstrombedarf von rund 5.000 Haushalten.

Ein Teil der erzeugten Energie wird direkt im Max-Bögl-Stammwerk in Sengenthal genutzt. Überschüssiger Strom fließt in das öffentliche Stromnetz und steht damit auch der allgemeinen Versorgung zur Verfügung.

Standardisierte Technik für große Windräder

Nach Angaben des Unternehmens basiert der Rekordturm auf einem bereits typengeprüften und standardisierten Baukastensystem. Zwar wurden einzelne Komponenten für das aktuelle Projekt angepasst, das grundlegende Konstruktionsprinzip bleibt jedoch erhalten.

Damit verfolgt Max Bögl ein klares Ziel: Große Bauhöhen sollen nicht länger Einzelanfertigungen bleiben, sondern wirtschaftlich und in industriellen Serienprozessen hergestellt werden können.

Michael Bögl, Vorstand der Firmengruppe, sieht darin einen wichtigen Technologiesprung: Große Bauhöhen könnten künftig wirtschaftlicher umgesetzt werden und neue Möglichkeiten für leistungsstarke Windenergieanlagen eröffnen.

Schwieriger Baugrund erfolgreich gemeistert

Auch der Untergrund stellte die Bauingenieure vor Herausforderungen. Der Standort in Winnberg ist von verkarstetem Kalkstein geprägt – ein Baugrund, der besondere Sicherungsmaßnahmen erfordert. Deshalb wurde das Fundament zusätzlich durch Bohrpfähle stabilisiert.

Das Fundament selbst hat beeindruckende Dimensionen: Es misst 26,5 Meter im Durchmesser und ist 3,4 Meter hoch. Laut Projektleitung verliefen die Arbeiten trotz der anspruchsvollen Bedingungen planmäßig.

Bedeutung für die Energiewende

Mit dem Projekt reagiert Max Bögl auf den wachsenden Bedarf an leistungsfähigen und wirtschaftlichen Windenergieanlagen. Höhere Türme können mehr Energie erzeugen und damit helfen, Stromkosten langfristig zu senken.

Zugleich zeigt das Vorhaben, dass solche Großanlagen zunehmend industriell gefertigt und in größerem Umfang gebaut werden können. Das könnte den Ausbau der Windenergie in Deutschland und Europa weiter beschleunigen – insbesondere dort, wo hohe und ertragreiche Anlagen bislang wirtschaftlich schwer umzusetzen waren.

Fundament fertiggestellt: In Winnberg bei Sengenthal im Landkreis Neumarkt i.d.OPf. entsteht eine Windenergieanlage mit Turm in Weltrekorddimension auf Basis seriengefertigter Bauweise. Bildnachweis: Max Bögl Wind AG / Florian Paul

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