Damit die Energiewende gelingt, brauchen wir riesige Batteriespeicher. Doch bisher arbeiten diese oft nur nach dem Prinzip „Profit geht vor Netzstabilität“. Das neue Forschungsprojekt STRIVE.BW zeigt jetzt, wie Speicherbetreiber gute Erlöse erzielen und gleichzeitig als „Airbag“ für unsere Stromnetze fungieren können.
Die Zahlen sind beeindruckend: In Deutschland warten derzeit Projekte für Großbatteriespeicher mit einer Leistung von Hunderten Gigawatt auf ihren Anschluss ans Netz. Das Problem: Bisher laden und entladen diese Speicher ihren Strom meist nur dann, wenn die Preise an der Börse gerade günstig sind. Das passiert oft zur gleichen Zeit, was die lokalen Stromnetze vor enorme Herausforderungen stellt und im schlimmsten Fall zu Engpässen führen kann.
Das Dilemma: Wirtschaftlichkeit gegen Netzsicherheit
Bisher mussten sich Netzbetreiber oft mit Notlösungen behelfen, indem sie die Leistung von Speichern bei Überlastung einfach drosselten. Für die Betreiber bedeutet das finanzielle Einbußen ohne garantierte Entschädigung.
Hier setzt das Projekt STRIVE.BW an, das vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Technischen Hochschule Ulm geleitet wird.
„Wir wollen zeigen, dass Speicher sehr wohl netzdienlich betrieben werden können, ohne dass die Wirtschaftlichkeit darunter leidet“, erklärt Jonas Petzschmann vom ZSW.
Intelligente Steuerung statt starrer Verbote
Das Projekt untersucht zwei moderne Lösungswege, um den Konflikt zu lösen:
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Dynamische Netzentgelte: Ähnlich wie bei einem flexiblen Handytarif wird die Nutzung des Netzes günstiger, wenn gerade viel Kapazität frei ist, und teurer, wenn es eng wird. Der Speicher reagiert automatisch darauf.
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Schlaue Vorhersagen: Mit dem Tool „GridSage“ berechnet das ZSW anhand von Wetterdaten und historischen Messwerten, wann und wo im Netz Engpässe entstehen könnten. Speicher können so bereits Stunden im Voraus ihre Be- und Entladung an die Situation anpassen.
Ein starkes Team für die Praxis
Das Besondere an STRIVE.BW: Es findet nicht im Elfenbeinturm statt. Neben der Wissenschaft sind zahlreiche Praxispartner wie die Netze BW, regionale Stadtwerke, Software-Experten und Juristen an Bord. Gemeinsam testen sie die Konzepte an echten Netzdaten, um sicherzustellen, dass die Theorie auch im Alltag funktioniert.
Das Ziel ist klar: Ein stabiles Stromnetz, das die Schwankungen von Wind- und Sonnenkraft perfekt ausgleicht, während die Speicherbetreiber Planungssicherheit für ihre Investitionen haben. Davon profitieren am Ende alle Stromkunden durch ein sichereres und effizienteres Energiesystem.
Über STRIVE.BW: Das Projekt steht für „STrategien und Betriebsmodelle zur netzdienlichen Integration von Batteriespeichern in VErteilnetze in Baden-Württemberg“. Es läuft bis November 2027 und wird vom baden-württembergischen Umweltministerium gefördert.
Nach einer PM von solar-consulting
Foto: Gemini AI

